Welche Neuigkeiten gibt es im Januar 2022?

Überschussbeteiligungen ächzen unter Niedrigzinsen
 

In diesen Wochen geben die Lebensversicherer ihre Überschussdeklarationen für 2022 bekannt.
Absehen lässt sich schon jetzt, was angesichts der drückenden Niedrigzinsen ohnehin
niemanden überrascht: Die Kurve zeigt insgesamt weiter nach unten. Immerhin aber halten
einige große Versicherer ihre Überschussbeteiligungen gegenüber dem Vorjahr konstant.

Die Allianz beispielsweise leistet eine laufende Verzinsung von 2,3 (Klassik) bzw. 2,4 Prozent
(Perspektive) und damit so viel wie 2021. 2019 allerdings waren es jeweils noch 0,5 Prozent
mehr. Ein ähnliches Bild bietet sich bei anderen „Dickschiffen“ der Branche: Die Axa schreibt
ihrer Kundschaft 2022 wie im Vorjahr 2,6 Prozent gut, nachdem es 2019 noch 2,9 Prozent
waren; der Volkswohl Bund weist 2,25 Prozent für 2022 wie für 2021 aus, nach 2,4 Prozent im
Jahr 2019. Seit fünf Jahren konstant ist hingegen die Überschussbeteiligung der LV 1871 mit 2,4
Prozent, während Ergo und R+V sinkende Überschüsse auch gegenüber 2021 in Aussicht stellen.
Die Lebensversicherer insgesamt können von der Rallye an den Kapitalmärkten kaum
profitieren, da sie den Großteil der Kundengelder in verlustsichere Anlagen investieren müssen.


Kreditversicherer rechnen mit steigender Zahl von Firmenpleiten

Hat sich die deutsche Konjunktur schon aus dem Corona-Tal herausgearbeitet und mit der
Pandemie zu leben gelernt? Keineswegs, meinen zumindest die Kreditversicherer. Lediglich der
erste Schock sei überwunden. Für dieses Jahr rechnen sie folglich mit einem Anstieg der
Unternehmensinsolvenzen, erstmals seit 2009. Die prognostizierten bis zu 17.000 Firmenpleiten
– im abgelaufenen Jahr dürften es um die 15.000 gewesen sein – geben jedoch nicht das ganze
Ausmaß des Schadens wieder. Denn die durchschnittlichen Forderungen aus einer Insolvenz
sind kräftig gestiegen. Im ersten Halbjahr 2021 haben sie sich gegenüber dem
Vorjahreszeitraum auf mehr als vier Millionen Euro in etwa verdoppelt. Qualitativ macht sich die
Pandemie also stärker bemerkbar als quantitativ.

„Aktuell verändern sich die Risiken ständig und verstärken sich gegenseitig: Neue Corona-
Wellen, globale Lieferengpässe und steigende Preise treffen auf einen gleichzeitig hohen
Veränderungs- und Innovationsdruck“, fasst Thomas Langen, Vorsitzender der Kommission
Kreditversicherung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, die
konjunkturellen Herausforderungen zusammen. Zum Zeitpunkt dieser Aussage und der
Insolvenzenprognose stand allerdings noch kein weiterer weitgehender Lockdown im Raum.


Wertverlust der Riester-Zulagen trifft vor allem Geringverdiener

Die Riester-Rente hat die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt, ihr Reformbedarf wird
kaum noch bestritten. Es hapert nicht nur an der Verbreitung. Mit dem seit Jahresbeginn
geltenden Höchstrechnungszins von 0,25 Prozent sind Riester-Produkte mit ihrer 100-Prozent-
Garantie für die Versicherer praktisch nicht mehr darstellbar.

Doch hinzu kommt eine weitere Fehlentwicklung: Wegen der Inflation und der kontinuierlich
steigenden Löhne ist der Wert der staatlichen Zulagen seit 2002 stetig gesunken. Diese sind mit
Ausnahme einer Anhebung 2018 nämlich nominell konstant geblieben. Das führt dazu, dass für
einen Euro staatliche Förderung immer mehr Eigenbeitrag aufgebracht werden muss. Eine
Alleinerziehende beispielsweise (mit 25.000 Euro Jahreseinkommen und zwei vor 2008
geborenen Kindern) musste 2002 noch 44 Cent selbst einzahlen, um vom Staat einen Euro dazu
zu erhalten. Bis zu diesem Jahr ist dieser Eigenbeitrag auf 81 Cent gestiegen. Bei manch
anderen Konstellationen muss sogar mehr als doppelt so viel wie vor 20 Jahren für einen
Förder-Euro aufgebracht werden. So wird Riestern vor allem für Geringverdiener immer
unattraktiver. Die Versicherer fordern deshalb einen „Neustart“ inklusive eines dynamischen
Fördersystems.


Kryptowährungs-Universum wächst auf mehr als 10.000 Coins

Bitcoin und Ethereum kennt man ja mittlerweile, selbst wenn man nicht selbst in
Kryptowährungen investiert ist. Die beiden größten Coins (nach Marktkapitalisierung) machen
mit 44 und 19 Prozent fast zwei Drittel des gesamten Kryptomarktes aus. Der wächst quasi
tagtäglich weiter an: Über 10.000 Währungen sind heute verfügbar.

Es versteht sich, dass nicht alle ein Investment wert sind, auch wenn manche eine Zeitlang
Traumrenditen von Hunderten oder gar Tausenden Prozent hinlegen und damit Neu-Millionäre
produzieren. Die Unterschiede in Machart und Zweck sind immens, ebenso die der Qualität. „Da
ist auch sehr viel Schrott dabei“, bringt es Prof. Dr. Philipp Sandner vom Blockchain Center an
der Frankfurt School of Finance & Management auf den Punkt. Ohnehin muss jedem
Kryptoanleger klar sein: Ein Totalverlust ist bei dieser Assetklasse nie auszuschließen. Denn
riesige Renditechancen bedeuten immer auch riesiges Risiko. Und der Bitcoin zeigt mit seinem
zackigen Kursverlauf, dass man für ein Engagement gute Nerven braucht.


Streitwert im Dieselskandal steigt im Schnitt auf 26.000 Euro

Der seit Ende 2015 schwelende Dieselskandal erstreckt sich auf immer höherpreisige
Fahrzeuge. Das lässt sich am durchschnittlichen Streitwert ablesen, der von damals 22.500 auf
mittlerweile 26.000 Euro angestiegen ist – zumindest in den Fällen, die von
Rechtsschutzversicherern begleitet werden. In dieser Entwicklung spiegelt sich die erst nach
und nach publik gewordene Verstrickung von Premiumherstellern wider.

Für die Rechtsschutzversicherer ist die Affäre um manipulierte Abgasreinigungssysteme das
kostspieligste Schadensereignis ihrer Geschichte: Bereits jetzt wurden mehr als 1,2 Milliarden
Euro für Gerichts-, Anwalts- und Gutachterkosten aufgewendet. Fast 400.000 Personen streiten
mit Versichererunterstützung gegen die Autokonzerne, weil diese sie – so der juristische
Vorwurf – vorsätzlich und sittenwidrig geschädigt haben. Der Gesamtstreitwert beläuft sich auf
fast zehn Milliarden Euro. Ziel der Kläger ist im Allgemeinen die Rückabwicklung des
Kaufvertrags gegen volle Erstattung des Kaufpreises abzüglich einer Nutzungsentschädigung.

 

Digitale Echtheitszertifikate (NFTs) als Renditebringer?

Nach den Kryptowährungen hat der fortschrittsorientierte – und risikofreudige – Teil der
Investorenschaft ein weiteres digitales Asset für sich entdeckt: Non-Fungible Token (NFTs).
Dabei handelt es sich um Blockchain-basierte und damit praktisch fälschungssichere Zertifikate
für die Echtheit und den Besitz erworbener digitaler Güter. Das können Kunstwerke ebenso sein
wie Computerspiel-Elemente oder auch Musikstücke.

Allein bei der NFT-Handelsplattform OpenSea wurden im August 2021 vier Milliarden US-Dollar
umgesetzt. Im Januar desselben Jahres waren es noch rund zehn Millionen. Experten wie Prof.
Peter Scholz von der Hamburg School of Business Administration betrachten den Hype mit
Skepsis, sehen aber keine prinzipiellen Gründe gegen ein NFT-Engagement. „Wenn man für
Beträge NFTs kauft, die man ansonsten ins Spielcasino getragen oder mit denen man Lotto
gespielt hätte, dann bringt das einen nicht um – Spielsüchtige möchte ich von dieser
Feststellung allerdings ausnehmen“, so Prof. Scholz. NFTs sind also eher ein Zocker-Investment
als ein solider Portfolio-Baustein.


Lebensversicherer bestehen Stresstest – mit Einschränkungen

43 Lebensversicherer und -versicherungsgruppen wurden von der EU-Aufsicht EIOPA kürzlich
einem Stresstest unterzogen, darunter auch die deutschen Branchen-Schwergewichte Allianz,
Alte Leipziger/Hallesche, HDI, Münchener Rück und R+V. Ziel war es herauszufinden, wie es um
die Zahlungsfähigkeit der Gesellschaften bestellt wäre, wenn die Konjunktur sich
pandemiebedingt negativ entwickeln und die Zinsen weiterhin um die Nulllinie verharren
würden.

Das Ergebnis sorgt für Erleichterung: Alle Versicherer haben bestanden. „Der Stresstest hat
gezeigt, dass die europäischen Versicherer ihre finanzielle Gesundheit auch unter schwierigen
wirtschaftlichen Bedingungen erhalten können“, freut sich die EIOPA-Vorsitzende Petra
Hielkema, die indes zugleich einschränkt: „Unter der Oberfläche dieser positiven Ergebnisse
besteht jedoch eine oft starke Abhängigkeit von Übergangsmaßnahmen, die bis 2032 auslaufen
werden.“ Sprich: Ohne diese abgeschwächten Solvenzanforderungen böte sich ein trüberes Bild
der Finanzsituation, die unter der langjährigen Zinsmalaise leidet.


1,8 Billionen Euro für die Altersvorsorge

Fast die Hälfte des Vermögens von circa vier Billionen Euro, das von deutschen Asset-Managern
in Fonds verwaltet wird, dient der Altersvorsorge. Wie der Fondsverband BVI mitteilt, liegt der
Anteil mittlerweile (Stand: Jahresmitte 2021) bei 44 Prozent – vor vier Jahren waren es noch 40
Prozent. An den 1,8 Billionen Euro haben kapitalbildende Lebensversicherungen mit 610
Milliarden den größten Anteil, gefolgt von der betrieblichen Altersvorsorge mit 520 Milliarden.

Die gewaltigen Summen sollten indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass zahlreiche
Bundesbürger noch nicht privat für den Ruhestand vorsorgen und damit einem wachsenden

Altersarmutsrisiko ausgesetzt sind. Die gesetzliche Rente wird mittel- und langfristig weiter
sinken, da es immer mehr Ruheständler und zu wenige nachrückende Erwerbstätige gibt, um
das jetzige Rentenniveau zu halten. Wie viel sie im Rentenalter für ihren Lebensunterhalt zur
Verfügung haben werden, wenn von der Rente Steuern und Krankenversicherungsbeiträge
einbehalten werden, ist vielen Menschen Umfragen zufolge gar nicht klar. Hilfe und Rat in
diesen Fragen liefern unabhängige Finanz- und Vorsorgemakler und -maklerinnen

 
 

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