Welche Neuigkeiten gibt es im Juni 2022?

Warum Lebensversicherungskunden nicht vor der Inflation zittern müssen

Mit 7,4 Prozent erreichte die Inflation in Deutschland im April ein seit 1973 nicht mehr
gesehenes Niveau. Das beunruhigt auch manche Lebensversicherungskunden. Wird die
Altersvorsorge jetzt entwertet? Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft
(GDV) gibt Entwarnung: Wer langfristig spare, wie es mit einer Lebensversicherung der Fall ist,
merke von einer temporär hohen Inflation am Ende nicht viel. So hätten Berechnungen der
Bundesbank gezeigt, dass die jährliche Verzinsung von Lebensversicherungsansprüchen
zwischen 1991 und 2020 die Inflation des jeweiligen Jahres immer übertroffen habe. Erst Ende
2021 habe sich dieses Verhältnis umgekehrt. Für kommendes Jahr aber werde bereits wieder mit
einer Inflation von unter 3 Prozent gerechnet.

Hinzu kommt die hohe Wahrscheinlichkeit einer Zinswende auch im Euroraum, nachdem die US-
Notenbank Fed bereits mit großen Schritten voranzieht. Sobald die Europäische Zentralbank als
Reaktion auf die Inflation die Zinsen anhebt, profitieren mittelfristig auch die Überschüsse der
Lebensversicherer – und deren Kunden.

Ära der Verwahrentgelte vor dem Ende

Sie sind ein stetiges Ärgernis für Banken wie für deren Kunden und beschäftigen bis heute die
Gerichte: Verwahrentgelte bzw. Negativzinsen auf Bankguthaben. Nun könnte ihr
finanzgeschichtliches Intermezzo vor dem Ende stehen. Grund ist die erwartete Zinswende im
Euroraum. Derzeit müssen die Banken noch 0,5 Prozent „Strafzinsen“ fürs Geldparken bei der
Europäischen Zentralbank entrichten. Weit über 500 Geldhäuser in Deutschland reichen diese
Gebühren zumindest teilweise an die Kundschaft weiter. Es wird jedoch allgemein erwartet,
dass die Notenbanker den Einlagensatz noch in diesem Jahr auf null hochsetzen werden.

Für diesen Fall haben bereits zahlreiche Banken angekündigt, die Guthabengebühren zu
streichen. Eine der größten Direktbanken in Deutschland hebt schon zum 1. Juli den Freibetrag
für Privatguthaben auf Giro- und Tagesgeldkonten von 50.000 auf 500.000 Euro an, womit nur
noch rund ein Promille der Kundschaft Negativzinsen berappen muss. Auch weitere Banken sind
mit vorgeprescht und haben ihre Freibeträge deutlich nach oben gesetzt.

Ist das Haus oder die Wohnung schon wetterfest?

Bis in den September hinein ist in Deutschland mit heftigen Regenfällen zu rechnen. Vor allem
im Juli tritt statistisch häufig Starkregen auf, wie auch im vergangenen Jahr bei der Jahrhundert-
Flutkatastrophe im Ahrtal. Die Versicherer empfehlen Immobilienbesitzern, jetzt das eigene
Risiko zu prüfen und gegebenenfalls Vorkehrungen zu treffen.

Für eine Einschätzung der Mikrolage bieten sich die Online-Tools
Naturgefahren-Check und
Hochwasser-Check
an. Letzterer wurde jüngst um das Starkregen-Risiko ergänzt. Neben der
Risikoanalyse bieten die Tools auch Tipps für den präventiven Umgang mit der Gefährdung.
„Viele Hausbesitzer sind sich der Bedrohung durch Naturgefahren nicht bewusst.

Mit dem Hochwasser-Check erhalten sie nun auch Informationen, welche Maßnahmen je nach
Gefährdung ergriffen werden sollten“, hebt Anja Käfer Rohrbach, stellvertretende
Hauptgeschäftsführerin des Versicherer-Gesamtverbands GDV, hervor. Eine wichtige Maßnahme
bildet jedenfalls eine Naturgefahren- oder Elementarschadenversicherung, die Schäden durch
Hochwasser, Starkregen oder Überschwemmung abdeckt. Erst rund die Hälfte des deutschen
Immobilienbestands ist derart finanziell geschütz
t.

Fondsbranche verzeichnet Rekordmonat

Kurz vor der aktuellen, durch den Ukrainekrieg ausgelösten Krise haben deutsche Publikums-
und Spezialfonds noch einmal richtig aufgedreht: Über 30 Milliarden Euro flossen ihnen im
Januar zu, ein Rekord, wie der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI)
vermeldet. Im Februar sank der Wert auf 13 Milliarden, im März schließlich auf 6,4 Milliarden
Euro.

Publikumsfonds verzeichneten im ersten Quartal laut dem Analysehaus Morningstar einen
Rückgang von rund 50 Prozent. Damit liegt Deutschland immerhin weit unter dem europäischen
Schnitt von 80 Prozent.

Weit unter EU-Durchschnitt rangiert dagegen hierzulande der Anteil am Gesamtvermögen in
Publikums- und Spezialfonds, der nach nachhaltigen Kriterien angelegt wird (gemäß Artikel 8
oder 9 der EU-Offenlegungsverordnung): Mit 19 Prozent beträgt er laut BVI weniger als die
Hälfte der EU-weiten 44 Prozent. Frankreich kommt sogar auf 69 Prozent. Diese Kluft könnte
allerdings teilweise auf unterschiedliche Klassifizierungs-Maßstäbe zurückgehen.

VFP bescheinigt Rentenversicherungen hohe Qualität

In Deutschland gibt es mehr Rentenversicherungsverträge als Einwohner, nämlich über 87
Millionen. Dass die Bundesbürger die (nicht nur steuerlichen) Vorteile der
versicherungsförmigen Altersvorsorge zu schätzen wissen, belegen auch die 4,7 Millionen
Neuverträge, die im vergangenen Jahr abgeschlossen wurden.

Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) hat kürzlich 130 am deutschen Markt
erhältliche Rentenversicherungstarife von 47 Anbietern unter die Lupe genommen. Im Fokus
der alljährlich durchgeführten Untersuchung standen die vier Teilbereiche
Unternehmensqualität (35 Prozent der Gesamtnote), Rendite (30), Flexibilität (25) sowie
Transparenz und Service (10). Je nach Gattung (klassisch, Klassik Plus, Index fondsgebunden mit
und ohne Garantien sowie Comfort) flossen bis zu 100 Einzelkriterien ein.

Das Ergebnis überzeugt: 50 Tarife erhielten die Spitzennote „exzellent“. IVFP-Geschäftsführer
Prof. Michael Hauer konstatiert: „Die Versicherer haben Lösungen gefunden, den Bedürfnissen
ihrer Kund:innen in puncto Kapitalanlage zu entsprechen.“

Wird Wohneigentum für Normalbürger unerschwinglich?

Mehr als die Hälfte der kürzlich von einem großen Baufinanzierer befragten Bundesbürger
meint, in ihrer Region könne man sich einen Immobilienkauf „gar nicht“ oder „kaum noch“
leisten. Mehr als drei Viertel erkennen am deutschen Immobilienmarkt eine Blase, 65 Prozent
empfinden die derzeitigen Marktpreise als „abschreckend“. Lediglich 7 Prozent wollen weiterhin
Erwerbspläne verfolgen.

Im ersten Quartal dieses Jahres mussten durchschnittlich 540.000 Euro für den Erwerb oder Bau
einer Immobilie auf den Tisch gelegt werden. Das entspricht gegenüber dem Vorjahresquartal
einer Steigerung von 14 Prozent, nachdem damals noch 9 Prozent Anstieg p. a. verzeichnet
wurden. Großen Anteil an dieser unseligen Entwicklung haben die im letzten Jahr nach oben
geschossenen Preise für Baumaterialien und -leistungen. In den Durchschnittswerten verbergen
sich unterdessen große Unterschiede: In Metropolen müssen Kaufwillige deutlich tiefer in die
Taschen greifen. So kostet eine Immobilie in Hamburg rund 750.000 Euro, in München gar über
900.000 Euro.

Kfz-Unwetterschäden 2021 fast doppelt so hoch wie im Durchschnitt

Rund 1,7 Milliarden Euro haben die deutschen Versicherer im vergangenen Jahr für
Naturgefahren-Schäden an Kraftfahrzeugen gezahlt. Im langjährigen Durchschnitt richten
Sturm, Hagel, Blitzeinschläge und Überschwemmungen Kfz-Schäden von rund 900 Millionen
Euro an. Dass sich dieser Wert 2021 fast verdoppelt hat, geht zu einem großen Teil auf die Juni-
Unwetterserie und die Ahrtal-Sturzflut im Juli zurück. Dementsprechend fiel die
Überschwemmungs-Schadensquote in Rheinland-Pfalz mit 4,1 (Schäden pro 1.000
Kaskoverträge) und Nordrhein-Westfalen mit 2,9 exorbitant hoch aus. Alle anderen
Bundesländer kommen auf weniger als 0,3. Rund 400 Millionen Euro Schäden wurden von
Überschwemmungen verursacht, die verbleibenden 1,3 Milliarden Euro von Sturm, Hagel und
Blitzen.

„2021 hat sich erneut gezeigt, dass die Folgen des Klimawandels in Deutschland längst spürbar
sind. Schon wenige extreme Wetterlagen können immense Schäden anrichten“, zieht Jörg
Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft
(GDV), Bilanz.

DIN stellt Beratungs-Leitfaden für Nachhaltigkeitspräferenzen vor

Im August tritt eine Richtlinie in Kraft, die bei finanzrelevanter Beratung vorschreibt, die
Kunden auch nach ihrer Nachhaltigkeitspräferenz zu befragen: Ist Ihnen ökologische und
ethische Nachhaltigkeit bei der Geldanlage und Finanzvorsorge wichtig? Fällt die Antwort
positiv aus, muss dies im weiteren Beratungsverlauf berücksichtigt werden. Doch wie eigentlich
genau? Wie lassen sich zum Kundenwunsch passende Kategorien, Anbieter und Produkte
eingrenzen?
Das Deutsche Institut für Normung (DIN) hat nun gemeinsam mit Marktteilnehmern einen
Entwurf für ein Modul namens „Abfrage von Nachhaltigkeitspräferenzen“ veröffentlicht.
„Verbraucher werden sehr bald den berechtigten Anspruch stellen, dass ihre
Nachhaltigkeitspräferenzen in allen Finanzthemen ihren Niederschlag finden“, umreißt Klaus
Möller, Obmann des DIN-Arbeitsausschusses, Anlass und Motivation für das Projekt. Der
Beratungsleitfaden soll nicht nur eine gesetzeskonforme Struktur geben, sondern auch
sicherstellen, dass eine laienfreundliche Sprache verwendet wird
.

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